Sachbericht für Willi-Gross-Stiftung zum Fachtag am 14.02.2017
„Völlig anders!? Seltene Demenzformen erkennen -Betroffenen Begleiten“


In der Vorbereitung auf den Fachtag „Völlig anders!? Seltene Demenzformen
erkennen – Betroffene begleiten“, waren wir unsicher ob dieses Thema genügend
Interessenten findet. Die hohe Zahl der Teilnehmer/-innen, hat uns gezeigt, wie
richtig und äußerst wichtig das Thema für viele Menschen war und ist.
Der Fachtag begann mit einer inhaltlichen Hinführung zum Thema. In einer kurzen
aber eindringlichen Powerpointpräsentationen wurden Killerphrasen dargestellt, die
im Umgang mit Menschen mit seltenen Demenzformen all zu häufig genannt werden:
Der passt hier nicht rein. Wir können keine Einzelbetreuung leisten …
Danach wurde das Ziel des Fachtags geschärft, nämlich heute nicht in Grenzen,
sondern in Möglichkeiten zu denken.
Die beiden Hauptreferentinnen A. Arand und S. Brandtner, vom Verein
WOHLBEDACHT e.V., haben die Theorie und Praxis von „sanftMUTIG“ sehr
lebendig vorgetragen und dargestellt, sodass alle Teilnehmer/-innen mit großem
Interesse, mit Herz und Verstand zugehört haben.
Das Konzept „sanftMUTIG“ – Betreuen und Pflegen – erlaubt, was für den dementiell
erkrankten Menschen Sinn macht. Beispielsweise hat ein Bewohner einer Demenz-
WG mit dem Gurkenschäler Erdbeeren geschält. Seither ist „Erdbeerschälen erlaubt“
ein geflügelter Ausdruck, der daran erinnert, dass unsere Maßstäbe nicht
ausschlaggebend sind.
Die Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen und Angehörigen haben neben den
Informationen zu den Krankheitsbildern anhand vieler Beispiele erfahren, wie eine
„sanftMUTIGE“ sozialpflegerische Begleitung gelingen kann.
Seltenen Demenzerkrankungen ist gemeinsam, dass das Gedächtnis zu Beginn nicht
oder weniger betroffen ist, als bei Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind.
Im Vordergrund stehen nach Art der Erkrankung andere Symptome wie
beispielsweise Reizbarkeit, Zwanghaftigkeit, Wesensveränderung, erhöhter
Bewegungsdrang, Passivität, eigenartige Aussetzer oder Seh- und Sprachstörungen.
Deshalb ist es besonders schwer, diese Verhaltensänderungen als dementielle
Erkrankung zu erkennen. Die Hauptreferentinnen haben einige wichtige seltene
Demenzformen vorgestellt, um anschließend ihre Idee eines sozialpflegerischen
Umgangs darzulegen. Das Betreuungskonzept „sanftMUTIG“, mit vielen Beispielen
angereichert, war für viele Teilnehmer/-innen Neuheit und erhellend zugleich. Aber
es wurden auch Stimmen laut, die die Möglichkeit der Umsetzung (vor allem
struktureller Art) in Frage stellten. Diesen Stimmen stellten sich die Referentinnen in
einem Plenumsgespräch im Anschluss an den Hauptvortrag.
Nach einer gesprächigen Mittagspause konnten sich die Teilnehmer/-innen in je zwei
Workshops vertiefte Informationen holen und im Gespräch mit den Referentinnen
Unsicherheiten, Erstaunen und Fragen an den Mann oder die Frau bringen.
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Die Workshops zu den Themen:
 „Türen öffnen“ – Was macht eine FTD-freundliche Einrichtung aus?,
 Hilfreiche Grundhaltungen – Das sanftMUTIG – Konzept als Grundlage von
Betreuung und Pflege
 Freiheit geben – und die Verantwortung? – Rechtliche Themen rund und
freiheitliche Pflege bei Demenz
 Gelassen mittendrin – Umgang mit Krisen und irritierenden Situationen
 Wenn die Welt plötzlich Kopf steht – Austauschforum für pflegende
Angehörige
Die gut besuchten Workshops waren von großer Lebendigkeit getragen. Häufig
wurde gefragt, wie die Pflegekräfte ihre geduldige Haltung und ihren respekt- und
liebevollen Umgang den Erkrankten gegenüber im Alltag umsetzen.
Die theoretischen und praktischen Impulse der Referentinnen, Menschen mit
Demenz in Würde und entsprechend ihrer Persönlichkeit in ihrer letzten
Lebensphase zu begleiten, wurden kritisch hinterfragt und mit großem Interesse
betrachtet.
Nach den Workshops gab es eine kurze Fragerunde mit den Experten. Ferner
wurden Visionen zum Umgang mit Menschen mit seltenen Demenzformen geäußert,
beispielsweise eine Schulung zum SanftMUTIG-Begleiter. Ein weiteres Angebot der
Referentinnen war, Heime und Einrichtungen bei Problemen zu unterstützen und zu
beraten.
Denn musikalischen Abschluss bildete eine kleine Gruppe aus der evangelischen
Behindertenarbeit. Auf der Veeh-Harfe spielten sie leise Volkslieder.
Das letzte Lied „ Die Gedanken sind frei“ bildete einen treffenden Abschluss des
Fachtags.
Wir, die Veranstalterinnen, K. Galler und M. Czwienzek (MBW) und Dr. R. Lambin
(ebw), sind sehr zufrieden mit dem Fachtag und freuen uns über die positive
Resonanz.
Rückmeldung von zwei Teilnehmer/-innen:
1. Ehrenamtliche Seniorenbegleiterin: „Ich bin besorgt zu diesem Fachtag
gekommen, weil ich selbst betroffen bin. Heute hab ich hier für mich viel
Hilfreiches und Unterstützendes gehört. Das kann ich gut für meine
persönliche Situation umsetzen.“
2. Dipl. Soz.Päd. (FH): „Ich habe den Tag methodisch und fachlich als sehr
professionell erlebt. Das Konzept „sanftMUTIG“ eröffnet neue Möglichkeiten
mit dieser Krankheit kompetent und anders umgehen zu können.“


Katharina Galler             Dr. Rosine Lambin                 Monika Czwienzek
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